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Zahnimplantate

22.07.09

Ein Erfahrungsbericht  Frühjahr 2009

Das Implantieren von Zähnen ist z.Z. in aller Munde. Welche unerwarteten Schwierigkeiten auftreten können, und wie Zahnärzte und Berufsorganisationen zusammenhalten, können Sie in dem folgenden Bericht lesen:

Im Frühjahr 2008 wurde bei mir im Unterkiefer die rechte Brücke entfernt, d. h. ich konnte nur noch links kauen. Im Herbst machte die linke Brücke Beschwerden. Ich sollte von meinem Zahnarzt aus Sehnde ein Angebot für Transplantate bekommen, das klappte aber nicht.

Im November las ich eine Zeitungsanzeige und einen Flyer: „Zahnimplantate, schonend, sicher und schmerzarm“ von Dr. X, Zahnarzt in Lehrte. Am 17.11. 2008 fand ein erstes Beratungsgespräch statt. Ich erhielt eine Kostenübersicht. Vorgesehen waren 5 Implantate mit Brücke und Einzelkronen für den stolzen Preis von 12.500 €. Am 29.11. leitete ich einen Antrag an meine Krankenkasse, die SBK, weiter.

In dem Behandlungsplan war vorgesehen, dass ein Dr. vom Implantationszentrum Bad Wörishofen die Implantate setzt. Alles Übrige würde Dr. X machen. Im Januar sei kein Termin mehr frei, nächstmöglicher Termin sei Juni 2009. Aus diesem Grund würde ich eine Übergangsprothese bekommen, damit ich in der Zwischenzeit kauen kann. (Bringt ja auch Geld!)

Am 6.1.09 entfernte Dr. X die Brücke und den defekten Zahn. Im Januar hörte ich mir einen Vortrag des Arztes an, in dem viel von möglichem Knochenaufbau die Rede war, sodass ich mit einer Fertigstellung der neuen Zähne voraussichtlich erst Ende 2009 hätte rechnen konnte. Ich erhielt viel Papier zur Unterschrift, sowohl aus Lehrte, als auch aus Bad Wörishofen. Ich hatte keine Angst vor der Implantation und wollte endlich weg von Milchsuppe & Co. Da ich mich innerlich durchgerungen hatte, mein Erspartes Dr. X zu geben, hätte ich die neuen Zähne lieber früher gehabt.

Mit dem neuen Kostenplan zog ich am 21.1.09 zu meiner Krankenkasse, die mir empfahl, eine zweite Meinung einzuholen. Mit der Empfehlung der SBK traf ich am 22.1. Zahnarzt Dr. Wöbse in Hämelerwald, der schon am nächsten Tag die Implantation durchführen wollte. Es wurde ein Termin für den 26.1. vereinbart.

Am Freitagnachmittag, 23.1. bekam ich die fertige Übergangsprothese von zwei Mitarbeiterinnen der Praxis von Dr. X eingesetzt (er war nicht dabei). Ich reklamierte sofort! Das Ding verursachte Schmerzen. Mir wurde erklärt: „Druckschmerzen sind normal. Wenn Sie monatelang keine Zähne hatten, muss sich der Kiefer erst wieder daran gewöhnen. Lassen Sie daher diese Brücke so lange es geht drin und entfernen sie diese nur kurz zur Reinigung!“ Es erfolgte kein Hinweis auf einen zahnärztlichen Notdienst.

Ich hatte noch mehrere Ibuprofen (600)-Tabletten, die die Schmerzen linderten. Sonntagabend versuchte ich, die Prothese zu entfernen, weil ich es trotz Tabletten nicht aushielt. Das gelang mir nicht. Die Klammern waren zu fest und die Schmerzen tierisch. Frau Schüler kann das bezeugen.

Montagfrüh, 26.1, um 10 Uhr, hatte ich einen Termin bei Dr. Wöbse wegen meiner Entscheidung für Implantate. Also fuhr ich nicht erst zu Dr. X . Dr. Wöbse nahm die Prothese sofort heraus und zeigte die blutigen Wunden u. A. auch dem Zahntechniker, Herr Thomas Fechter. Das Zahnfleisch war abgeschabt bis auf den Knochen, links etwas, rechts so groß wie ein Fingernagel.

 

Ich entschied mich für das Angebot von Dr. Wöbse. Sein Kostenvoranschlag und seine Argumente hatten mich überzeugt: Zahnärztliche Betreuung, das Setzen der Dübel in den Gaumen, die Prothese, alles aus einer Hand! Wenn es in Lehrte Komplikationen gegeben hätte, wer hätte gehaftet, der Arzt in Lehrte oder der in Süddeutschland?

Mit Schreiben vom 27.1.09 teilte ich meine Entscheidung fairerweise Dr. X mit und auch, dass die Prothese nicht zu gebrauchen sei. Mit Schreiben vom 30.1. schrieb mir Dr. X , dass Druckstellen normal seien, ich sollte zur Nachbesserung kommen.

Bei diesem Schaden jedoch hätte eine Nachbesserung nichts gebracht. Nachbesserung bedeutet doch, dass man diejenigen Stellen der Prothese, die die Wunden verursacht haben, abschleift. Da der Kiefer wund bis auf den Knochen war und höllisch weh tat, hätte ein Anpassen der Prothese nur unter Betäubung stattfinden können. Mit einer Nachbesserung hätte man warten müssen, bis die Wunden verheilt waren. (Das war erst nach 4 Monaten der Fall.)

Man muss sich das so vorstellen: Sie gehen am Freitagnachmittag in ein Geschäft, um sich neue Schuhe zu kaufen. Der Verkäufer sagt:“paßt“. Sie sagen, dass die Schuhe an zwei Stellen drücken. Er antwortet Ihnen, dass sich ihr Fuß erst daran gewöhnen muss. Deshalb sollen sie die Schuhe anbehalten. Am Montag zeigen sie dem Verkäufer, dass die Haut bis auf die Knochen abgeschabt ist. Er nimmt weder die Schuhe zurück, noch verzichtet er auf die Rechnung. Er will die Schuhe dort, wo es drückt, wo alles wund bis auf den Knochen ist, weiten (nachbessern).

Ich bekam am 5.Februar von Dr. Wöbse, 5 Implantate innerhalb von knapp zwei Stunden. Die Brücken waren nach zwei Wochen fertig. Alles noch im Februar, alles zu meiner Zufriedenheit.

Ich musste zur Behandlung der offenen Wunden ein bis zweimal wöchentlich (jeweils a 50 km) zu Dr. Wöbse fahren. Die Wunden wurden mit einer gelben, fies-schmeckenden Flüssigkeit behandelt. Es waren insgesamt 13 Wundbehandlungen (s. Schreiben).

Nachdem ich umgehend von Dr. X die Rechnung und eine Mahnung für die Interimsprothese erhielt, versuchte ich am 31.3. eine einvernehmliche Lösung mit dem Arzt zu erreichen. Es kann ja nicht richtig sein, dass man für das Tragen von 66 Std. einer Interrimsprothese monatelang Schmerzen erdulden und dafür ca. 800 € (350 + 450 €) bezahlen muss.

Zahnarzt Dr. X aus Lehrte schaute sich das Loch im Zahnfleisch an und verließ wütend das Behandlungszimmer. Am 3.4. bat ich schriftlich, die Mahnungen bis zur Klärung einzustellen.

Ich konnte meine Krankenkasse, die SBK, überzeugen, dass sich ein Gutachter die Wunden anschaut und ein Urteil abgibt. Dieser Termin fand am 21.4. bei einem Zahnarzt in Ahlten statt.

Als ich dort vor der Haustür stand, suchte ich vergeblich nach dem üblichen Doktortitel. Nach meiner Logik hatte ich angenommen, dass derjenige, der die Arbeit eines Doktors beurteilen kann, besondere Fähigkeiten hat, also z.B. Professor ist. Herr M. erkannte mich als Golfer aus gemeinsamen Tagen im Golfclub Burgwedel. Auch Dr. X spielt Golf.

In dem Gespräch und später auch im Gutachten, wies mich der Gutachter darauf hin, dass die mitgebrachte Modellgußprothese nicht mehr überprüft werden konnte, weil ich jetzt bereits Implantate hatte.

Wenn ich Gutachter gewesen wäre und ernsthaft bemüht der Sache auf den Grund zu gehen, hätte ich den sicherlich noch vorhandenen Abdruck meiner Zähne von Dr. X angefordert. Dann hätte man ohne Aufwand feststellen können, dass diese Prothese die Löcher in meinem Gaumen verursacht hat und ich mir diese nicht mutwillig selbst beigebracht habe.

Das Gutachten erhielt ich schriftlich am 18.5. vom DRZ, Deutsches Zahnärztliches Rechenzentrum. Für mich ist dieses Gutachten widersprüchlich:

Dort ist mit „Ja“ angekreuzt, dass „die ausgeführten prothetischen Leistungen frei von Fehlern oder Mängeln sind“. Dann, drei Sätze weiter:“ Eine starke Läsion im Bereich 45 (freiliegender Knochen) war (am 21.4., also nach 3 Monaten) noch vorhanden.

Nachdem mir das Rechenzentrum, Dr. X hatte seine Forderungen gegen mich an das DRZ abgetreten, (So eine Abtretungserklärung unterschreibe ich nie wieder!) mit gleicher Post eine erneute Mahnung schickte und diese begründete mit dem Hinweis: „dass die ausgeführten prothetischen Leistungen frei von Fehlern oder Mängeln sind“ begann ich jemanden, oder eine Institution zu suchen, die folgende Frage beantworten will:

 „ Ist eine prothetische Leistung frei von Fehlern und Mängeln, wenn innerhalb von einem Wochenende, durch das Tragen der Prothese eine starke Läsion (freiliegender Knochen)“ beidseitig entstanden ist??

Dahinter steht meine Überlegung, dass ich für eine mit Mängeln behaftete Prothese nichts oder wenig zahlen muss. Da ich nicht so schnell kampflos aufgebe, begann ich mit Aktivitäten, die ich mir (im Nachhinein betrachtet) hätte schenken können:

Zunächst wende ich mich am 5.6. schriftlich und mit Fotokopien an die SBK. Diese hatte per Zeitschrift auf die neue Stelle „Behandlungsfehler“ hingewiesen. Am 22.6. erfahre ich telefonisch, dass die Dame Erfahrung bei Behandlungsfehlern (falsches Bein ab), nicht so sehr bei Prothetik hat. Ich soll zum Rechtsanwalt gehen, wenn ich eine Rechtsschutzversicherung habe.

Ein Freund verweist mich auf Verbände im Internet zur „persönlichen Beratung zu allen Fragen des zahnärztlichen Bereichs“. Adresse: ZÄK Niedersachsen, Hannover,Zeißstr. 11a. Beratungsstelle. Am 1. 7. bitte ich um einen Termin und schreibe, dass ich die obige Frage: „Ist eine prothetische“… beantwortet haben möchte.

Ich erhalte umgehend telefonisch die Aussage, dass man dafür nicht zuständig sei und ich auch am Mittwoch dort nicht zu erscheinen brauche. Ich soll mich an die Zeißstr. 11b wenden. Dort gäbe es eine Schlichtungsstelle.

Ich schicke schriftlich alle relevanten Unterlagen in der Hoffnung auf eine Schlichtung per Fax an die Adresse: Die Zahnärztekammer Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover, Schlichtungsstelle. Diese teilt mir am 6.7. mit dass:“ ….eine Klärung auch seitens der Bezirksstelle Hannover der Zahnärztekammer Niedersachsen nicht mehr möglich ist“. Das heißt doch wohl, dass eine „Schlichtung nicht erwünscht ist. Ist die „Schlichtungsstelle“ nur ein Feigenblatt für die Zunft? Meine gestellte Frage wurde nicht beantwortet.

Auf erneute schriftliche Bitte um Beantwortung meiner einen Frage erhalte ich am 10.7. von Dr. L. von der ZÄK die schriftliche Antwort:“Unserem Schreiben haben wir nichts hinzuzufügen, …bleibt uns nur noch Sie hierzu auf den Rechtsweg zu verweisen.“ 

(Ein Freund von mir meinte dazu, dass man sich solche Anfragen zukünftig sparen kann. Schließlich leben diese Kammern von den Beiträgen ihrer Mitglieder, den Zahnärzten. Demzufolge müssten sie deren Interessen vertreten!) Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber logisch ist das schon.

Ich erfrage bei KÄV telefonisch, wer die vorgesetzte Behörde sei. An diese Adresse habe ich am 9.7. meine Frage geschickt: Bundeszahnärztekammer, Chausseestr. Berlin. Diese teilt mir am 13.7. höflich mit, „…auch ist es uns nicht möglich, eine im Einzelfall erforderliche Sachverhaltsaufklärung durchzuführen.“…“ haben wir Ihre Unterlagen an die ZÄK Niedersachsen, Zeißstr.11a weitergeleitet“., Da war ich schon. Bis heute hat sich niemand gemeldet.

Am 19.7. erhalte ich Post von Rechtsanwalt Vogel GmbH, Filderstadt. Ich soll bis zum 29.7. die Rechnung über 321,13 € plus Zinsen, Mahngebühren etc. zahlen, gesamt 415,83 €. (So schnell kann man auch Geld loswerden, wenn man sich im Recht glaubt und keine Versicherung hat.)

Mein Freund meinte, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt und dass man gegen diese „Götter“ nicht ankäme, weil sie sich gegenseitig schützen. Also werde ich bezahlen und dem Anwalt schreiben, dass ich bis zum Schluss gehofft habe, Dr. X möge Ruhe geben und diese Teilrechnung stornieren (Die SBK hat ihre 450 € angeblich bereits gezahlt).

Ich wäre billiger weggekommen, hätte ich den Mitarbeiterinnen des Zahnarztes aus Lehrte am 23.1.09 gesagt:„Schmeißen sie den Mist in den Müll, es tut weh, ich zahle freiwillig!

Außerdem habe ich 650 km verfahren und kein Geld für vier Monate Schmerzen beim Essen und Trinken erhalten. (Vielleicht bekomme ich dieses Geld von Leuten wieder, die ich vor gleichem Schicksal bewahrt habe.)

 

Warum diese Dokumentation meiner Zahnimplantation?

Ich bin der Auffassung, dass jeder einmal im Leben einen Fehler macht. In diesem Fall nicht der Zahnarzt persönlich. Aber er haftet für Fehler seiner Angestellten. Er fordert von mir und der Allgemeinheit (Krankenkasse) Geld für eine Arbeit von der ein Mensch sagt, dass Mängel nicht nachgewiesen werden konnten. Ich zahle widerwillig und nur, weil man ja nie weiß, ob man bei Gericht Recht bekommt.

Wenn viele Patienten so aufmöpfig wie ich reagieren würden, werden wir erreichen, dass die Gebühren für die Krankenkasse sinken. Wir sollten weniger Angst haben vor den „Göttern in weiß (oder grün).

Wann gibt es in Deutschland endlich eine möglichst unabhängige bzw., neutrale Stelle, die in der Lage ist, so eine einfache Frage zu beantworten:“ Ist eine prothetische….

Sollte jemand Zweifel an meiner Darstellung haben und Dokumente einsehen wollen, faxen Sie mich an: 05 132-83 88 66. Ich schicke Ihnen dann die gewünschten Details per Fax zu.

Norbert Athenhöfer

 

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